Experiment Empathie 3 - Re:LOVEution

Experiment Empathie 3

Revolution, 25.-30. Mai 2012 im ZEGG bei Berlin


Gedanken, Erlebnisse, Pläne, Ein- und Ausblicke zum Festival

 

Nr. 28, 26. Januar 2012





"If I can't dance in it, I don't want to be a part of your revolution!"

Wenn ich darin nicht tanzen kann, will ich kein Teil Eurer Revolution sein.

 

Emma Goldman (1869-1940, Anarchistin und Friedensaktivistin)

 

 

 

 

 

 

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Nr. 27, 25. Januar 2012

 

"Du entwickelst augenblicklich ein globales Bewusstsein, eine Menschen-Orientierung, eine intensive Unzufriedenheit mit dem Zustand der Welt - und den Drang, etwas daran zu verändern. Von da draußen auf dem Mond sieht die internationale Politik so unbedeutend aus. Du möchtest einen Politiker am Kragen packen, ihn eine Viertelmillion Meilen dort hinauszerren und zu ihm sagen: 'Schau dir das an, du Hundesohn.'"

Edgar Mitchell, Apollo-14-Astronaut


 

 

 

 

 


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Nr. 26, 17. Januar 2012


Video mit Marshall Rosenberg, dem Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, zur Schattenseite von Lob, Komplimenten und Beifall

"Lob und Komplimente sind ebenso gewaltsam wie negative Äußerungen. Denn beide gebrauchen die gleiche Sprachform: Beide gebrauchen Kategorisierungen. Wir stecken Menschen in Kategorien, egal ob wir sagen: „Du bist ein dummer Idiot!“ oder „Du bist eine brillante Person!“
In beiden Fällen entmenschlichen wir die Person, über die wir sprechen.
Wenn Du aufrichtige Dankbarkeit ausdrücken möchtest, teile Menschen nicht mit, was sie 'sind'. Teile Menschen mit, was sie getan haben, das Dein Leben bereichert. Sag ihnen, wie du dich damit fühlst und welche Bedürfnisse erfüllt wurden.
Lob und Komplimente werden aus dem Motiv gegeben, dafür etwas zu bekommen – um zu manipulieren.
Auf diese Weise verewigen wir die Dominanzkultur, in der wir gelernt haben, dass unsere Hauptaufgabe darin besteht zu tun, was Autoritäten für richtig erklären. Das ist es, was Schulen tun: Menschen zu netten, toten Menschen zu erziehen. Weil es das ist, was die Industrie haben möchte: Menschen, die ihre Arbeit tun, ohne zu fragen, ob sie dem Leben dient."

(Gekürzt und frei übersetzt)


 

 

Nr. 25, 16. Januar 2012

 

"Als ich fünf Jahre alt war, sagte meine Mutter immer zu mir, dass Glücklichsein der Schlüssel zum Leben sei. Als ich zur Schule ging, fragten sie mich, was ich werden wolle, wenn ich groß bin. Ich schrieb: 'glücklich'. Sie sagten mir, dass ich die Aufgabe nicht verstanden hätte. Ich sagte ihnen, dass sie das Leben nicht verstehen."

John Lennon

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nr. 24, 15. Januar 2012


 

 

 

"Es ist kein Zeichen von Gesundheit, wohlangepasst an eine grundlegend kranke Gesellschaft zu sein."

 

Jiddu Krishnamurti

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Nr. 23, 12. Januar 2012

 

we proudly present: die Pfingstpostkarte 2012


 ... zum Download sowie zur Versendung an interessierte EmpathistInnen.

 

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Nr. 22, 18. Mai 2011

 

"angstfrei lieben - meint ihr damit "freie Liebe"?

Wir werden ab und zu gefragt: "Euer Festival findet ja im ZEGG statt - die propagandieren doch die freie Liebe, oder? Bin ich da überhaupt am richtigen Platz, wenn ich in einer festen Partnerschaft lebe (und weiterhin leben will)?"

Unsere Antwort: Ohne jeden Zweifel.

Auch das ZEGG ist mittlerweile, was die Liebesformen angeht, ein pluralistischer Forschungsort. Der gemeinsame Nenner lässt sich wahrscheinlich am ehesten mit der Absicht beschreiben, in Liebesdingen Tag für Tag ein wenig bewusster zu werden.

Das Empathiefestival widmet sich überdies nicht nur Liebes-Verhältnissen, sondern dem ganzen Leben. (Wenn auch in der Liebe viele Themen besonders deutlich hervortreten - und unser Herz dort besonders lebendig ist, im Guten wie im Problematischen.)

Eingeladen sind alle forschungslustigen Menschen, die hinter die Fassaden blicken und sich empathisch begegnen möchten - egal ob asexuell oder multisexuell, hetero, schwul, lesbisch, bi, trans, "treu" oder "untreu", und so weiter und so fort.

Wir freuen uns über zölibatäre Mönche genauso wie über wilde Poly-Amoristinnen.

Denn letztlich sind unsere Fragen rund um Angst und Mut, um Freiheit und Geborgenheit die gleichen - oder doch ähnlicher als wir denken.


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Nr. 21, 13. Mai 2011


Ein entzückendes Statement von einem bekannten Neurobiologen - könnte glatt als Grußwort für unser Festival geschrieben sein!


"Glücklich sind Menschen immer dann, wenn sie Gelegenheit bekommen, ihre beiden Grundbedürfnisse nach Verbundenheit und Nähe einerseits und nach Wachstum, Autonomie und Freiheit andererseits stillen zu können.

Wenn sie also in der Gemeinschaft mit anderen über sich hinauswachsen können. Wer das erleben darf, ist glücklich. Der ist dann auch von keinem Rattenfänger dieser Welt verführbar. Der läuft niemandem hinterher, der ihm irgendetwas verspricht. Als kleines Kind nicht und auch nicht als Erwachsener.

Was aber erscheint uns in unseren Augen heutzutage als besonders bedeutsam? Wofür könnten wir nicht nur uns und unsere Kinder, sondern auch andere Menschen begeistern?

Die Antwort auf diese Fragen ist so einfach:

Wir könnten gemeinsam versuchen, über uns hinauszuwachsen. Wir könnten uns gegenseitig einladen, ermutigen und inspirieren, all das zu entdecken, was es miteinander und aneinander und in der Welt, in der wir leben, zu entdecken gibt.

So könnten wir vielleicht auch das wiederfinden, was wir unterwegs verloren haben: die Freude an der Buntheit und Vielfalt unserer Welt, deren Teil wir sind und die es nur so lange geben wird, wie wir sie mit all unseren Sinnen erspüren und mit unserem zeitlebens lernfähigen Hirn vielleicht irgendwann auch begreifen und bewahren können.

Dann wären wir wieder im Einklang mit dem, was das Leben in Wirklichkeit ist: kein sich selbst genügender und sich selbst erhaltender, sondern ein erkenntnisgewinnender Prozess."

Gerald Hüther


Der Autor ist Professor für Neurobiologie. Die Textpassagen stammen aus seinem neuesten Buch „Was wir sind und was wir sein könnten“. © 2011 S. Fischer Verlag , Frankfurt am Main. Seit gestern im Handel.


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Nr. 20, 6. Mai 2011


... Sich selbst zum Experiment machen!

Ein amerikanischer Journalist verbringt sein Leben mit nichts anderem und hat ein erquickliches Buch darüber geschrieben.

Von "radikaler Ehrlichkeit" über "Leben, wie George Washington es empfehlen würde", bis zu "Ich tue alles, was meine Frau verlangt".

Ein bisschen arg amerikanisch-lässig-oberflächlich im Stil vielleicht, aber trotzdem inspiring.


"Mensch, bist Du dick geworden!

Wie ich einmal immer die Wahrheit sagte und andere Selbstversuche"

von A. J. Jacobs

List Verlag 2010, 8,95 Euro


* Mehr zum Thema "Selbstexperimente"

am dritten Tag des Festivals! *

 

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Pfingstflyer 2011
 ...zum download sowie zur Versendung an interessierte EmpathistInnen!

 
 
 
Nr. 19, 28. April 2011
 
Gedanken zum Leben als Twen von Vanessa Bähr (23 Jahre):
 
Wer bin ich ohne meine Träume?

Mich persönlich haben der Leistungsdruck in der Gesellschaft und die Kälte zwischen den Menschen an den Rand des Wahnsinns getrieben. Funktionieren! Arbeiten! Lernen! Den Erwartungen und „Notwendigkeiten“ anpassen und dabei noch gut aussehen!
Höre ich auf die Diskussionen in Medien und Politik, bekomme ich den Eindruck, die Menschen seien nur dafür da, zum Wirtschaftswachstum beizutragen, um dann das zu konsumieren, was man ihnen vorsetzt. Das eigene Zuhause, Familie und Freundschaften scheinen Nebensache, Freizeit bloß, um wieder fit für den Job zu sein. Wer das nicht hinbekommt, wird als „Last“ für die „Funktionierenden“ beleidigt und muss sich ständig außen vor fühlen, menschlich, kulturell, finanziell. Vor allem als junger Erwachsener hat man oft „noch nichts vorzuweisen“ und muss daher in der ständigen Angst leben, es nicht zu schaffen. Doch gerade in dieser Lebensphase stellen wir uns doch die Frage nach dem Sinn und der Richtung unseres Lebens! Erwachsen werden heißt für mich, eigene Entscheidungen zu treffen. Doch viele von uns haben diese Möglichkeit gar nicht. Oder?
Was ist mit meinen Freunden, meinen Sehnsüchten, der Liebe? Soll ich das alles dem moralischen Erfolgsdruck, der Konkurrenz, den finanziellen Nöten so lange unterordnen, bis ich mich selbst nicht mehr wiedererkenne?
 
Ich als 23-jährige Studentin, die für ihr Studium 10 statt 6 Semester brauchen wird, träume davon, dass das nicht mehr sein muss. Es ist so ein riesiger Unterschied, ob ich etwas tue, weil ich es tun möchte oder ob ich es aus Angst und unter Erwartungsdruck tue. Durch eigene Erfahrungen fühle ich mich lebendig, entwickle mich, werde immer vielfältiger, talentierter, weiser und zufriedener. Rückschläge kann ich viel eher verkraften, weil ich weiß, dass ich wieder etwas daraus lerne, was mir dienen wird. Durch Handeln aus Angst dagegen stumpfe ich ab, werde unsensibel oder reizbar, fühle mich nervös und getrieben und ziehe mich meist unbewusst in meine kleine Welt zurück, in der ich andere kaum mehr erreichen kann. Wie oft leben wir nicht schon dort und werfen uns Urteile und Drohungen an den Kopf?!
Weil mir das so weh tut, wünsche ich mir für uns Menschen und unsere Träume ein neues Selbstbewusstsein. Wir sollten herausfinden, was uns wirklich wichtig ist im Leben und den Wert der eigenen Erfahrung verteidigen gegen die Anforderung, nur im Sinne der Unternehmen und der Politik zu funktionieren. Für uns junge Erwachsene spricht das z.B. nicht gegen eine Ausbildung oder einen Job. Doch sie oder er ist gerade dann etwas wert, wenn du dich dafür entschieden hast, nicht deine Eltern, das Jobcenter oder eine Berufschancenstatistik. Die Forderung, die Berufung nach eigenen Vorstellungen zum Beruf machen zu können, ist vielleicht utopisch - doch auch Kompromisse kann ich nur machen, wenn ich weiß, was ich will.
 
Das Experiment der Einfühlung, das wir an Pfingsten wagen wollen, kann für alle Gäste eine Möglichkeit sein, dieses Eigene im Leben zu sehen und dem fünf Tage lang Raum zu geben. Was für einen Unterschied das macht! Sich mal nicht im alltäglichen Kampf zu begegnen, sondern von Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz. Das ist romantisch – aber ganz pragmatisch gesehen einfach wichtig. Wo soll unsere Gesellschaft denn hinsteuern, wenn selbst die jungen Menschen keine Visionen mehr haben, die sie ernst nehmen? Wie sollen wir ein nachhaltiges Leben führen ohne selbstbewusst gelebte Gemeinsamkeit, Verständnis und Liebe?
Dass der Mensch und die Natur bei diesem herzlosen Lebenswandel auf der Strecke bleiben, ist mittlerweile nicht mehr abzustreiten. Doch die Lösung wird nicht sein, noch effizienter zu werden. Die Einstellung „noch mehr, noch schneller, noch besser“ hat uns erst in diese Misere gebracht. Wir brauchen Menschen, die an ihre Träume glauben, die die Freundschaft nicht hinter Reichtum zurückstellen, die sich selbst ausprobieren und darin einen Wert an sich sehen. Die den Mut haben ein Stück Sicherheit aufzugeben, um auf dieser Reise Mitgefühl zu finden. So können wir Formen des Miteinanders entwickeln, die allen einen besseren Lebensstandard ermöglichen, ohne die einzelnen Menschen dabei so sehr unter Druck zu setzen.
 
In meinem Leben habe ich immer wieder entdeckt, wie viel größer als gedacht doch meine Spielräume sind, tatsächlich das zu tun, wovon ich träume. Erobern kann ich sie in kleinen Schritten: indem ich meine Fragen wirklich stelle - und versuche, jeden Tag etwas mehr vom Leben zu sehen.
 
Was wollen wir wagen?

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Nr. 18, 19. April 2011
 
Gestern erreichte uns eine Email unserer Freundin Julia Lohmann, die wir mit Freude veröffentlichen:
 
Angstfreiheit oder die Freiheit zur Angst – ein Plädoyer für die Angst

Wenn ich den Begriff 'angstfrei' lese oder gar 'angstfrei lieben', dann habe ich den spontanen Impuls, meine Angst zu verteidigen: Ich habe so lange gebraucht, um sie endlich wahrzunehmen und mir selbst einzugestehen! Angst finde ich gut. Sie zeigt mir am deutlichsten, wo ich mich erweitern kann.

Ich glaube, gerade mit dem Gefühl der Angst gibt es ein großes menschliches Missverständnis, was in dem Glauben besteht, man solle ihr – oder den Situationen, in denen sie vorkommt - ausweichen. Evolutionsbiologisch mag das Sinn machen, denn Angst warnte vor Gefahren und führte zu den drei Überlebensreaktionen (Angriff, Flucht, Starre). Das Ausweichen vor der Angst ist also zutiefst in unserem Lebensinstinkt verwurzelt.

Und genauso gehen die meisten Menschen mit Angst bei zwischenmenschlichen Themen um – wenn nicht der Körper, sondern meistens die angeblichen Schutzmechanismen oder das Ego in Gefahr sind: Sie weichen den Situationen aus, die Angst machen.

Dabei liegt der größtmöglichste Freiheitsgewinn darin, dieser Angst zu begegnen. Ein erster Schritt ist dabei das Erkennen der Angst: Wovor habe ich tatsächlich Angst, wovor will mich diese Angst schützen? Wenn ich dies tue, bekomme ich häufig ein fast zärtliches Gefühl zu meiner Angst, zu dem Anteil von mir, der mich vor Schmerz schützen will. Dann finde ich auch meistens den Mut, den anstehenden Schritt trotz der Angst zu tun.
Das Leben scheint – zumindest nach meiner Erfahrung – nicht vorzusehen, dass wir weder Schmerz noch Angst erleben; vor allem nicht in der Liebe. Denn Lieben heißt sich zu öffnen oder auch sich ausdehnen – und da bekommt es fast jeder mit der Angst zu tun. Zumindest wenn ich nicht in meiner Sicherheits- oder Komfort-Zone bleiben, sondern wachsen will. Ich finde hier daher den Begriff des Mutes wichtig: Mut heißt für mich, dem Weg der Liebe (je nach 'Konfession' auch Gottes, des Lichtes, der Wahrheit, etc...) zu folgen, auch wenn es mir Angst macht. Ich möchte mich in der Liebe erweitern, das heißt, ich werde wohl noch viel Angst haben. Daher möchte ich nicht angstfrei, sondern mutig lieben. Ob ich je ein Stadium erreiche, in dem ich keine Angst mehr habe, weiß ich nicht. Bis dahin möchte ich aber meine Ängste lieben und zärtlich mit ihnen umgehen, denn sie zeigen mir so viel von mir, von meiner Zartheit und meiner Liebe. Und sie weisen mir den Weg.
 
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Nr. 17, 12. April 2011

 

Kennt Ihr die Abschlussrede von Charlie Chaplin aus dem "Großen Diktator"?

Beeindruckendes Plädoyer für Bewusstheit, Empathie und Ungehorsam.

"Wir sprechen zu viel, und wir fühlen zu wenig."

"Nur wer nicht geliebt wird, hasst."

Englisch mit Musik

Deutsch, leider mäßig synchronisiert


P.S.:

„Als ich diese Arbeit der Gewaltfreien Kommunikation begonnen habe, wusste ich, ich würde dieser Arbeit nicht trauen können, wenn sich diese Grundsätze nicht auch auf Hitler anwenden ließen. Ich dachte, die Methode ist nur etwas wert, wenn ich auch für Hitler Verständnis und Empathie würde aufbringen können. Deshalb habe ich alles über Hitler gelesen was ich finden konnte. Ich wollte verstehen, was in diesem Mann vorging. (...) Die Indoktrination, mit der er aufgewachsen ist und die, mit der ich aufgewachsen bin, liegen übrigens gar nicht so weit voneinander weg. Hitler hat gelernt, dass Juden schlechte Menschen sind, und mir ist eingeimpft worden, dass die meisten Menschen um mich herum keine Juden mögen und deshalb schlechte Menschen sind. Und deshalb waren Nicht-Juden grundsätzlich böse. Mit anderen Worten: Mir wurde eine ähnliche Denkweise vermittelt wie Hitler – der Unterschied lag nur in der Identifikation des Bösen. (...) Aus seiner Sicht hat Hitler überhaupt nichts Schlimmes getan, sondern er hat heldenhaft dafür gesorgt, dass die Welt von „Ungeziefer“ befreit wird. (...) Ich weiß, wie schwer das für die Deutschen ist. Seit ich auch in Deutschland arbeite, bin ich immer wieder mit den massiven Schuldgefühlen der Deutschen konfrontiert worden. In jedem Workshop kommt dieser Schmerz zur Sprache, den so viele Menschen spüren, in deren Familien Nazis waren. Und ich muss mir jedes Mal auf die Zunge beißen, um nicht zu sagen: „Aber warum fühlt ihr euch denn dafür schuldig?! Ihr wart doch nichtmal dabei!“ Aber es reicht, dass ihre Vorfahren dabei waren. Es reicht ihnen oft sogar, dass sie Deutsche sind, um sich schuldig zu fühlen. (...) Wissen Sie, Schuldgefühle führen dazu, dass die Menschen denken, sie seien nicht in Ordnung so wie sie sind – und das hilft niemanden. Aber ich wünschte sie könnten Traurigkeit spüren, Traurigkeit und Trauer über das was sie, bzw. ihre Vorfahren, getan haben.“

Marshall Rosenberg

 

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Nr. 16, 7. April 2011

"Raum für Nicht-Wissen zu lassen ist das Wichtigste überhaupt."

Pema Chödrön

 

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Nr. 15, 29. März 2011

Geschaftt!  3 Videoclips zum letzten Pfingstfestival. Eine Kurz- und eine Langversion mit Impressionen zu den vormittäglichen Vortragserfahrungsräumen sowie ein Kurzvortrag von Markus Euler am Tag der Selbstempathie zum Thema: Eltern, Kind & inneres Kind

short version

long version

Eltern, Kind & inneres Kind

 

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Nr. 14, 23. Februar 2011

Heut' mal ein Gedicht:

Die Liebe
1.
Manchmal kommt es,
Dass die Liebe uns einreden will,
Wir könnten andere sein,
Als wir sind.
Wir glauben es auch,
Solange die Liebe
Noch lauter ist
Als wir selber.
Wehe aber,
Die Liebe muss Atem holen.
Dann hören wir wieder
Auf uns,
Dann können wir
Nicht mehr sein, wie wir wollen,
Dann müssen wir sein,
Wie wir sind.
 
2.
Nicht die Liebe ist es,
Die uns ändert.
Andere werden wir nur,
Wenn wir uns nicht mehr
Ertragen können,
Wenn wir uns nicht mehr
Genügen, so
Wie wir sind.
Freilich –
Uns selber zu ändern,
Sind Kräfte vonnöten,
Mit denen
Man Welten erschafft.
Einzig aber die Liebe
Gibt uns dazu
Die Kraft.

(Heinz Kahlau)

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Nr. 13, 15. Februar 2011

Die ersten Details des Festivals drängen an die Öffentlichkeit:

Abend der kleinen Feste ... Forum E ... Zeit der Stille ... musikalische Night of Empowerment ... Feiern & Bedauern ... Körper-Klangräume ... Entschleunigungszone ... blind & silent

 

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2010

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Nr. 11, 29. Oktober 2010

FragezeichenAusrufezeichenFragezeichen?!

Was so ein paar unschuldige Satzzeichen anrichten können.

Da haben wir also nach wochenlanger meditativer Einkehr ein Fragezeichen und ein Ausrufezeichen hinter das 2011er-Motto gesetzt: angstfrei LiEBEN?!

Und schon haben wir eine dicke Kontroverse im Haus!

„Was soll das blöde Fragezeichen?“ fragen die einen. „Zweifelt ihr an euren Anliegen? Warum nicht ganz entschieden dafür eintreten, die Angst zu überwinden? Angst vor der eigenen Courage, ausgerechnet ihr?“

„Das Ausrufezeichen ist falsch und führt komplett in die Irre!“ rufen die anderen. „Denn es geht gar nicht um Angstfreiheit. Das ist nur wieder so ein rigides Ideal, mit dem wir uns selber terrorisieren! Tatsächlich geht es um die Integration der Angst! Darum, sie zu umarmen, nicht sie abzuschaffen. Am besten also zwei Fragezeichen! Oder gleich ein besseres Motto.“

„Was für ein Wirrwarr!?“ meinen die Dritten. „Fragezeichen, Ausrufezeichen … Könnt Ihr Euch nicht mal entscheiden, was Ihr wollt?!“

„Würde nicht ein schlichtes angstfrei LiEBEN reichen, ohne jedes Satzzeichen??“, werfen die Vierten ein. „Da kann doch jede(r) selbst im Geist die Satzzeichen anfügen, die sie/er haben möchte! Für wie unselbständig haltet Ihr uns denn??“

„Das Thema ist dermaßen komplex, dass jedes Satzzeichen mindestens verdoppelt werden muss, wenn nicht verdreifacht“, plädieren die Fünften, „dementsprechend wäre einzig korrekt und angemessen: angstfrei LiEBEN!?!?!?"

„Also wenn schon, dann rückt wenigstens das Ausrufezeichen an die erste Stelle, sonst ist es doch komplett unlogisch", geben schließlich vereinzelte Stimmen zu bedenken.

Und nun? Was machen wir damit? Naja: Wir lassen alles, wie es ist. Denn ehrlich gesagt zeigt diese Debatte ja, dass der Titel genau das bewirkt, was wir erreichen wollten.

naseweise Grüße!

Euer Empathie-Team?!

 

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Nr. 10,  18. Oktober 2010

Forschungsgruppe "angstfrei LiEBEN?!" gegründet!

Eine 16-köpfige Forschungscrew  macht sich auf, um InnenWelten und Galaxien zu erkunden, die wir alle in uns tragen, doch selten wirklich anzuschauen wagen

Worum geht es bei dieser Mission?

Uns interessieren die Stellen in unserem Leben, wo wir uns selbst oder dem anderen in unseren (Liebes)beziehungen Gewalt antun: wo wir aus Angst, Schuld oder schlechtem Gewissen gegen unsere eigene Wahrheit handeln bzw. den anderen mit Schuld, Scham, Lob oder Strafe subtil manipulieren.

Was möchte bzw. kann ich selbst nicht fühlen und wann versuche ich deshalb den anderen mit allen Mitteln zu zwingen, sich anders zu verhalten?
Wo folge ich in der Liebe einem Konzept, ohne meine eigene Grenze zu respektieren?
Wo reibe ich mich „aus Liebe“ für andere auf und bin nicht mehr mit mir selbst verbunden?
Wie kann Angstfreiheit in der Liebe zu mir selbst, zu PartnerInnen, in meinem Verhältnis zu Freunden, zur Gemeinschaft und zur Welt tatsächlich Einzug halten?
Was brauche ich dafür?
Und schließlich: Geht es überhaupf um Angstfreiheit?
Solche und andere Fragen interessieren uns und werden den Rahmen unseres gemeinsamen Forschungsraumes bilden.

Unser Ziel ist die Forschung auf der menschlich-sozialen wie auch der methodischen Ebene. Ein Anliegen  ist es uns dabei, für das kommende Festival eine Grundlage zu schaffen, die unseren Vorstellungen eines empathischen Raumes entspricht.
Bei all dem wollen wir unsere Neugier, unsere Spielfreude und die Lust an der gemeinsamen Veränderung in den Vordergrund stellen.

 

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Nr. 9,  3. Mai 2010

Entschleunigung - eine Utopie?

Nicht nur der Inhalt, auch die Form des Festivals ist uns ein großes Anliegen. Eine Qualität, die wir hier erforschen, mit der wir experimentieren wollen, ist die Ent-schleunigung. Die Verlangsamung. Die Frage nach der mir gemäßen, eigenen Geschwindigkeit. Meinem Rhythmus,        ...      dem Tempo, mit dem ich mich in Themen vertiefen und diese weiterbewegen will/kann.

Zur Einstimmung & Inspiration hier 3 links dazu:
de.wikipedia.org/wiki/Entschleunigung
www.zeitverein.com
www.zeit.de/2007/43/Lebensformen

 

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Nr. 8,  1. Mai 2010

...und dann hätten wir da noch ....!

 

 

 
 
 
 
 
 
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Nr. 7,  9. April 2010

Die Sondersendung zum aktuellen
Empathievirus unter: www.youtube.com/watch

 

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Nr. 6,  6. April 2010

Für mich sorgen und meine Potentiale ausschöpfen

 von Markus Euler

Wie kommt eigentlich Empathie in die Welt?
Sie fängt erst mal bei mir an. Auch wenn es bei vielen Menschen anders aussieht und sie zuerst die Wale, die Umwelt und den Rest der Welt retten wollen, glaube ich, dass es eine gesunde Einstellung ist, erst mal vor seiner eigenen Tür zu kehren.
Jesus soll einmal gesagt haben:
Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne,
dafür aber Schaden an seiner Seele nähme?
Nichts.
Es hilft absolut nichts, wenn du dich für irgendetwas kaputt machst. Weil die Rettung, die so vollbracht wird, keine wirkliche Rettung ist.
Im Gegenteil wirkt sie dem Heil der Welt entgegen.
Zunächst ist meine Aufgabe, mich selbst zu retten. Es geht auch nicht unbedingt um Rettung. Es geht darum, gut für mich zu sorgen.
Wenn jeder für sich selbst sorgt, ist für alle gesorgt.
Und wer für sich selbst nicht sorgt, kann auch nicht für andere Sorgen.


Ich habe einmal eine Mutter kennengelernt, die zwei Kinder alleine erzog. Die Kinder waren richtig gut drauf, wann immer ich mit ihnen zu tun hatte. Ich fragte die Mutter, was denn ihr Erziehungskonzept sei, damit ihre Kinder so glücklich und lebensfroh waren.
Sie sagte: Ich sehe immer zuerst darauf, dass es mir gut geht  und dann nach meinen Kindern.
Was sich nach Egoismus anhört, ist in Wahrheit die Befolgung eines Lebensgesetzes.
Wenn wir noch mal zu Jesus zurückkehren:
"Liebe deine Nächste wie dich selbst."
Heißt nichts anderes als: Liebe dich selbst, und die anderen genauso.
(Dass zwischen uns kein großer Unterschied besteht, könnt ihr an anderer Stelle lesen.)
Aber wie liebe ich mich selbst?
Wie mache ich es, dass es mir mit mir selbst gut geht?


Ich glaube, zwei Dinge sind sehr wichtig.
Erstens mir selbst Zeit zu nehmen, mir über meine Bedürfnisse klar zu werden und diese dann zu erfüllen. Ich würde ja auch nicht mit einem Auto herummeckern, wenn es nicht fährt, weil kein Sprit mehr im Tank ist. Also sorge ich dafür, dass auch mein Tank immer gut gefüllt ist. Was es ist, womit ich meinen Tank fülle, das muss ich selbst herausfinden, aber ich habe meist eine Intuition dafür, was mich grade nährt.
Bei mir selbst ist es Sport treiben, Körperkontakt haben, Zeit mit guten Freunden und intensiven Gesprächen verbringen, aber auch mich im Schreiben eines Artikels wie diesem der Welt mitzuteilen. Und damit bin ich an der Grenze zum Zweitens, welches es meiner Meinung nach braucht, damit ich gut in der Welt stehen kann. Das hat etwas damit zu tun, dass ich meine Potentiale erkenne und ausschöpfe.
Was sind meine Geschenke an die Welt?
Und auf welchem Wege bringe ich sie zum Ausdruck?
Ich bemerke immer wieder, dass ich mich nicht gut fühle, wenn ich so lebe, dass meine Potentiale brach liegen. Von Heilern sagt man, dass sich ihre Kraft gegen sie wendet, wenn sie nicht in die Welt strömen darf, ich denke, dass das auf alle anderen Menschen und ihre Fähigkeiten auch zutrifft. Wenn du als Tänzer nicht tanzt, als Koch nicht kochst, als Maler nichts malst oder als Ingenieur nichts entwirfst, wird sich irgendetwas in dir verklemmen.
Immer mal wieder, wenn ich ein paar Tage - oder leider manchmal auch ein paar Wochen - nicht geschrieben habe, bemerke ich, wie meine Stimmung nach unten tendiert und ich mich frage, warum es mir denn eigentlich so schlecht geht. Und jedesmal, wenn ich mich selbst erforsche, komme ich zu dem Ergebniss, dass genau diese zwei Faktoren in meinem Leben hinter dem Alltag zurückgetreten sind. Ich habe nicht für mich gesorgt und meine Potentiale sich nicht entfalten lassen, wie sie es wollten. Stattdessen habe ich mich verloren in sinnlosen Streitereien, die gar nicht entstanden wären, wenn ich meine Bedürfnisse gespürt und sie mir erfüllt hätte. Ich kann nicht empatisch für andere mitfühlen, wenn ich mir selbst dieses Mitgefühl nicht entgegenbringe.

Ich weiß noch, als ein Kommunarde ein Verhalten an den Tag legte, das ich normalerweise aufs Schärfste verurteilt hätte. Allerdings war ich an diesem Tag grade in einer solchen Hochstimmung (weil ich eine Geschichte zu Ende geschrieben und ein gutes Coaching gehabt hatte - ein anderes Potential von mir dass froh ist, wenn es leben kann) , dass ich die ganze Situation mit einem klärenden Gespräch leicht aus der Welt schaffen konnte.
Also kommt Empathie in die Welt dadurch, dass sie zunächst in mich kommt.

Lasst Empathie Einzug halten

Gruß Markus

 

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Nr. 5,  4. 3. 2010

Dringende Warnung der Gesundheitsbehörden!
 
- An alle Haushalte -
                                                                                                                      Bad Belzig, den 2. 3. 2010
 
Empathie die neue Volkskrankheit?!
Immer wieder fällt uns auf, dass viele Menschen gar nicht wissen, was Empathie eigentlich ist.
Nun mussten wir feststellen, dass auch wir uns bislang über die wahren Sachverhalte hinweggetäuscht haben. Nach intensiven Diskussionen haben wir uns entschlossen, die erschreckenden Tatsachen öffentlich zu machen.

Um Missverständnisse und sorglosen Umgang mit dem Thema künftig zu vermeiden, bitten wir Euch, den folgenden Text zu studieren und intensive Präventionsmaßnahmen einzuleiten sowie all Eure Freunde darüber zu informieren um diesen bereits grasierenden Virus einzudämmen! Hier der Verschick-link: http://www.experiment-empathie.de/blog.phtml 
Schützt insbesondere Kinder & Senioren!
 
Empathie
Die Empathie (von griech. Em "Beziehung" und Pathie "Schädigung") ist eine psychische Erkrankung, die sich weltweit auf dem Vormarsch befindet und schwerste Beeinträchtigungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens nach sich zieht, insbesondere durch Unterminierung des Konkurrenz- und Leistungsprinzips.
Sie äußert sich vorwiegend in irrational-zwanghaften Gedanken an Mitmenschen und positiven Affekthandlungen im Bezug auf diese.

Die Empathie ist eine schwerwiegende Störung und eine der häufigsten Ursachen für berufliches und privates Scheitern. Im Volksmund wird die Empathie häufig mit einem Leiden des Mits gleichgesetzt ("Mitleid"), das allerdings nur ein Symptom der Erkrankung darstellt. Nach ICD 100 (Inkonsequente Codierung der Dummheiten) wird die Empathie als chronische soziale Meinungsstörung (Störung der geregelten Absonderung von Meinungen und Verurteilungen, X99-X999) eingestuft.

Ätiologie (griech. Ursache)

 

 

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                      Der gemeine Kleinhirnwurm

Es ist unklar, ob eher exogene oder endogene Faktoren bei der Herausbildung des Empathie-Syndroms bedeutsam sind. Von führenden Empathologen wird eine parasitäre Genese beschrieben, bei der sich der gemeine Kleinhirnwurm (Vermis cerebelli vulgaris) im Schädelinneren des Betroffenen einnistet und ähnliche Symptome verursacht wie die gewöhnliche infektiöse Empathie.
Auch die abnorme paradoxe Herzöffnung wird neuerdings als Faktor der Krankheitsgenese diskutiert. Patienten, bei denen diese wiederholt auftritt, müssen im Normalfall lebenslang von allen relevanten öffentlichen Meinungsbildungsprozessen ferngehalten werden (coronare Sicherheitsverwahrung, Ruhigstellung durch Bildschirmarbeit und stark zuckerhaltige Nahrung, Elektroschocks).

Symptome
Die Empathie beginnt schleichend, die Symptome sind zunächst latent. Anfangs äußert sich die Empathie zumeist verbal, Betroffene äußern wirre Gedanken wie "Ich kann mich in dich hineinversetzen" oder "Ich fühle mit dir". Genetisch oder familiär vorbelastete Betroffene zeigen bereits in diesem Stadium eine ausgeprägte Neigung zu ernst gemeinten Nachfragen - Äußerungen wie: „Wie fühlst du dich wirklich?“ oder „Welches unerfüllte Bedürfnis steht hinter deinem ‚Fehlverhalten’“ sind alarmierende Signale, die sofortige medikamentöse Behandlung erforderlich machen.

Im weiteren Verlauf büßen die Patienten häufig ihre Führungskompetenzen ein - sie sind nicht mehr bereit und im Stande, andere angemessen zu unterdrücken oder zu manipulieren. Auch das Zufügen von physischen Schmerzen und psychischen Schuldzuweisungen bereitet den Patienten in der Regel Probleme. Bestrafung und Beschämung werden vielfach als unerträglich empfunden, weshalb eine ordnungsgemäße Teilnahme am Alltagsleben und Straßenverkehr gefährdet ist. Bei besonders schweren Fällen kann es auch vorkommen, dass aktive Handlungen zum Wohl eines anderen begangen werden.

Die Ausdehnung des empathischen Horizontes auf Mitglieder anderer Schichten, Rassen, Völker, ja sogar auf Tiere und Pflanzen oder „die Erde als Wesen“ (Gaia-Pathologie) wurde anekdotisch belegt. Als Begleitsymptomatik der Empathie treten häufig unkontrollierte Emotionen und Zugewandtheitsattacken, manchmal selbst gegenüber sozial nutzlosen Individuen auf. Im Endstadium wurden emotionale Dissoziationszustände und Perversionen beobachtet, die bis zu bedingungsloser Akzeptanz des Gegenübers sowie des eigenen Selbst („Liebe“) reichen können.

Verlauf und Prognose
Unbehandelt führt die Empathie in allen Fällen zum Tode. Die mittlere Lebenserwartung der Betroffenen (in Deutschland & Österreich) übersteigt 76,6 Jahre nicht, bei rechtzeitiger therapeutischer Intervention kann sie jedoch auf 82,1 Jahre gesteigert werden.

Therapie
Als Methode der Wahl wird derzeit die Frustrationstherapie angesehen. Im Rahmen dieser verhaltenstherapeutischen Intervention müssen alle Formen sozialer Unterstützung und einfühlenden Verständnisses vermieden werden. Pharmakotherapeutisch hat sich die Gabe hoher Dosen von Testosteron, aber auch die tägliche Zufuhr von Nikotin und Alkohol mit Unterstützung eines Fernsehkonsums nicht unter sieben Stunden als erfolgversprechend erwiesen.

Ein Therapiebeginn im Frühstadium ist wichtig für eine gute Prognose. Setzt die Therapie bereits in der frühen Kindheit beispielsweise in Form moralischer Drangsalierung, Entzug authentischer emotionaler Resonanz und Eindämmung der so genannten Lebensfreude ein, kann es zur kompletten Remission kommen. Flächendeckende Screenings in Schulen und Kindergärten werden deshalb derzeit diskutiert. Im Sinne des Seuchenschutzes wird präventiv "Safer-Talk" empfohlen, also Kommunikation ausschließlich über Textmittteilungen, sog. SMS ("Safe-Made-Sentences"). Auch der flächendeckende Einsatz von Existenzangst und sozialer Demütigung zeitigte im Feldversuch Erfolge.

Gemäß aktueller Leitlinien (Stand Februar 1936) sollten Patienten mit akuter Empathie von ihren Mitmenschen isoliert und fern von jedem Zuspruch gehalten werden. Je nach Konstitution kann jedoch auch eine Verhaltensregulierung durch anhaltende Verstärkung („Lob“) verständnislosen und verurteilenden Sozialverhaltens indiziert sein. Bei einem Empathie-Notfall kann eine Lobotomie oder sogar eine totale Enzephalektomie Abhilfe schaffen. Sind diese Mittel nicht zur Hand, kann die sofortige Entmündigung ebenso wirksam sein wie die hochfrequente Bombardierung mit pathologisierenden Diagnosen und generalisierenden Abwertungen.

Frei nach Stupidedia, der Enzyklopädie ohne Sinn
Überarbeitet und gekürzt vom Pfingstteam 2010
Hier gehts zum Originaltext
 

 

 
 
Nr. 4,  7. 2. 2010
 
Nachdenken über das Böse II
  
Dreht Marcus durch?
 
oder:  "I just want you to hurt like I do"
 
 
Wenn es überhaupt einen sinnvollen Begriff des „Bösen“ geben sollte, dann ist es vielleicht der: einem anderen Wesen Leid zufügen, um ihm Leid zuzufügen.
Also nicht aus Versehen. Auch nicht aus Gleichgültigkeit. Sondern absichtlich.
(Manche Leute sagen, Gleichgültigkeit sei schlimmer als Bosheit. Dieser Gedanke ist zweifellos nicht blöd, soll aber jetzt nicht diskutiert werden.)
 
Mit meiner Liebsten hatte ich vor kurzem einen Streit, der bis zu diesem niederschmetternden Punkt eskalierte, wo jede Konstruktivität und jede Zuneigung verschwunden scheint. Ihr Vorwurf an mich lautete: „Du tust mir absichtlich weh! Du willst, dass es mir schlecht geht durch das, was Du tust und sagst!“
 
Natürlich habe ich erst einmal empört geleugnet. „So etwas tue ich doch nicht! Ich bin nämlich ein prinzipiell friedfertiger Mensch, und selbst wenn ich mal etwas deutlicher werde, geht es mir letztlich um Verständigung.“
 
Aber sie ließ nicht locker. Und nachdem ich ein paar Schichten des Selbstbetrugs weggeschaufelt hatte, musste ich zugeben: Ja, ich wollte ihr wehtun! Zwar nicht in dem Sinne, dass ich wusste, dass ich sie verletzen wollte – aber zweifellos gab es in mir Kräfte, die genau das bezweckten.
 
Da ging es erst einmal einen halben Tag nicht weiter. Sie sagte, wenn das so sei, könne sie mir nicht mehr vertrauen, und sie wisse nicht, ob sich das je wieder ändern würde.
 
Zu meinem eigenen Erschrecken stellte ich fest, dass ich ihr nicht versprechen konnte, dass „so etwas“ nie wieder geschähe. Ich würde einfach lügen, wenn ich das behauptete! Und eine solche Lüge erschien mir noch viel vernichtender für unsere Liebe als diese rätselhafte Kraft in mir, die ihr wehtun möchte.
 
Was tun? Resignieren? Trennung? Totaler Beziehungskrieg? Gekränktsein in Ewigkeit? Vorwürfe und Selbstvorwürfe ad infinitum?
Nein - Weiterforschen.
 
Warum will ich denn dem mir nächsten Menschen Schmerz zufügen? Nach einigen Stunden innerer Beleuchtungsarbeit schälten sich die Konturen der Antwort immer klarer heraus: Ich will ihr wehtun, damit sie endlich sieht, was mir wehtut! Die Quelle meiner „Bosheit“ ist nichts anderes als der verzweifelte Wunsch, gesehen zu werden in meiner Verletztheit. Und wenn sie sich weigert, müssen eben Bomben und Napalm her. Oder die subtile Aggression des Nach-innen-Emigrierens.
 
 
Was würde sich zwischen den Menschen ändern, wenn wir immer dann, wenn jemand sich „böse“ verhält, fragten: Auf welchen Schmerz in Dir willst Du damit hinweisen? Auf welche Verletzung? Auf welche unerfüllte Sehnsucht? Wenn wir unser Weltbild dahingehend umstrukturieren würden, dass immer, wirklich immer wenn jemand „böse“ auftritt, der unbewusste Wunsch dahintersteht, auf einen Schmerz aufmerksam zu machen?
Ich glaube, das wäre eine vollkommen andere Welt.
 
Falls es uns dann noch gelänge mitzubekommen, wenn wir unbewusst Rache dafür nehmen, dass unser Schmerz oder unsere Bedürfnisse nicht wahrgenommen wurden … wenn wir dann gemeinsam innehalten könnten und begreifen, was geschieht, statt uns dafür zu verdammen …
… gar nicht auszudenken.
 
Ich glaube allerdings nicht, dass wir das hinbekommen, wenn die Motivation ist, moralisch „gut“ zu sein. Sondern indem wir sehen, dass sich für uns und die anderen ein schöneres, verbundeneres Leben öffnet, wenn wir das sogenannte Böse so betrachten.
 
 
Grüße an alle
 
vom Institut für freischaffende Dämonen-Integration,
 
Marcus
 
 
P.S. Musiktipp: „I want you to hurt like I do“ von Randy Newman.
 

 


 

 

Nr. 3,  01. 02. 2010

Mit Empathie zur Anarchie?

Gedanken an  Horst Stowasser

Ich habe mich am Wochenende mit der Idee zu unserem auf  dem Festival geplanten Anarchistencafé  beschäftigt und bin in die dazu gehörige Theorie eingetaucht. Dank Horst Stowassers wahrem Meisterwerk "Freiheit Pur" ein höchst vergnügliches Unterfangen – erleuchtet er darin doch grandios verständlich, dabei humoresk und kritisch die Idee, Geschichte und Zukunft des Anarchismus.

Umso mehr hat mich wieder einmal eine tiefe Wehmut darüber ergriffen, dass dieser herzlich-intelligente Mensch, Mann, Autor, Frankophile & Genießer, Vater und Anarchist im Sommer an einer Blutvergiftung verstorben ist.

Zwei Wochen zuvor hatte er uns noch mit seiner dicken Zigarre im ZEGG besucht und mit mir bereits verabredet, dass er als anarchistischer Ehrengast unser Festival beehren würde.

Und überhaupt hatte ich große Pläne mit ihm geschmiedet: die anarchistische Szene empathisch zu unterwandern und die empathisch-gewaltfreie Kommunikation im Gegenzug dafür gehörig aufzupeppen. Oder die beiden einfach zusammenzubringen, weil sie ja im Grunde genau das Gleiche wollen und sich nur höchst unterschiedlich "vermarkten". Herrschaftsfreiheit = Anarchie = Eine Kultur der Partnerschaftlichkeit.

Horst Stowasser war einer der wenigen klugen Männer, die mir bislang begegnet sind, die groß denken und dabei gleichzeitig in ihr Herz zu spüren vermögen. Und gerade deshalb hätte ich ihn so gerne als Mitstreiter gehabt für die Neuauflage einer anarchistischen Auseinandersetzung. Nämlich zur Frage, wie denn die Menschen als Gesamtes (und damit sind ja ALLE Mitglieder der Gesellschaft gemeint!) fähig sein sollen, ihre privaten und gesellschaftlichen Bedürfnisse ohne Hierarchie und Bevormundung selbst in die Hand zu nehmen? Zumindest ohne Gewaltanwendung?

Marshall Rosenberg nennt uns Menschen im hierarchischen Gesellschaftssystem "nice dead people" – wir haben gelernt, zu tun, was nötig ist, damit Autoritäten uns für gut und nicht böse einstufen, anstatt zu fühlen und für unsere Bedürfnisse zu sorgen.

Wie wird der Mensch (wieder) fähig zur Freiheit - nach mehreren Tausend Jahren der Sozialisation in hierarchischen Gesellschaftssystemen?

Muss das nicht grundsätzliche Frage sämtlicher Skizzen einer freien, einer ‚besseren’ Gesellschaftsstruktur sein? Und ist das nicht Grundproblem solcher Ideale, dass sie den Ist-Zustand des Menschen nicht in ihre Utopien mit einbeziehen? Und somit immer Zwangsmaßnahmen nötig sind, damit die hehren Ziele in die "niederen" Menschen gepresst werden können?

Anarchie läßt sich nicht ›einführen‹. Man kann sie nicht einfach wählen – an einer solchen Gesellschaftsform muss man teilnehmen. Sie braucht Menschen, die selbst mitdenken und mithandeln. (Horst Stowasser)

Ich glaube mittlerweile immer öfter, dass Empathie, die Fähigkeit sich selbst und die anderen in ihren Gefühlen und Bedürfnissen wahrzunehmen, ein Schlüssel sein könnte auf dem Weg in die Freiheit. Vielleicht gar eine unabkömmliche Grundbedingung.

(Dabei ahne ich, dass ich bezüglich dieser Aussage von meinem Team wieder des Prophetentums verdächtigt werde - blöderweise kann ich den Verdacht noch nicht einmal gänzlich von mir weisen - und dennoch:)

Solange ich nicht in der Lage bin wahrzunehmen was ich brauche – wie soll ich da Selbstverantwortung übernehmen können für meine Zufriedenheit? Und Freiheit ohne dies geht doch schlichtweg nicht, oder?

Fragen dieser Art hatte ich begonnen gemeinsam mit Horst Stowasser geistig und herzlich zu erkunden und eine empathistische Revolution zu planen - und nun?

Auf jeden Fall wird es das Anarchistencafé zu Pfingsten geben. Als explizit ausgeschriebenen Frei-Raum, in dem jeder und jede dem nachgehen soll, darf und kann, was ihr  jeweiliges Begehr und Bedürfnis ist. Ein Raum der Möglichkeit zur Selbsterforschung. Als Experiementierraum der Freiheit.

Ich selbst werde mir dort an einem Abend eine dicke, stinkende Zigarre anstecken, französischen Landwein trinken und Geschichten über Genuss und Anarchie erzählen – in Reminiszenz an den empathischsten Anarchisten den ich kenne …

Teresa


 

Nr.2, 28. 1. 2010

Nachdenken über das Böse I                                       

Dreht Obama durch?

Noch einmal die Friedensnobelpreis-Rede von Barack Obama gelesen.
Das Enttäuschende daran ist gar nicht, dass er das Führen von Kriegen in bestimmten Lagen für notwendig erklärt (wenngleich ich mich gern mit ihm im Einzelnen darüber streiten würde, ob solch eine Lage vorliegt). Auch ich bin schließlich froh darüber, dass die Alliierten 1945 den Nationalsozialismus beendet haben.
 
Das Erschütternde an Obamas Rede ist der Satz: "Das Böse existiert."

Denn das Böse existiert gar nicht. Es ist ein mentales Konstrukt. Ein Hirngespinst. Es ist ein urteilendes Sprachgebilde im Geist von Menschen, um andere Menschen zu Wesen zu erklären, deren Wohlergehen schlechthin zu missachten ist. In der Politik gilt ein solches Urteil als Freifahrtschein für die rücksichtslose Anwendung von militärischer Gewalt und Folter. Wer böse ist, verdient nämlich kein Mitgefühl.

Wenn man sich die Geschichte anschaut, wurden früher Gewaltexzesse meist damit gerechtfertigt, dass die Opfer keine wirklichen Menschen seien – etwa die Ureinwohner von Ländern, die für koloniale Ausbeutung in Frage kamen. Je mehr eine solche Position wissenschaftlich unhaltbar erschien, desto mehr trat "das Böse" als Rechtfertigungsideologie in den Vordergrund (obwohl es auch davor schon herangezogen wurde; besonders das Christentum hat darin eine ruhmlose Tradition). Fast alle groß angelegten Vernichtungsaktionen des letzten Jahrhunderts wurden mit dem Kampf gegen das Böse legitimiert, das auszumerzen sei - im noblen Einsatz für das Gute. (Und einiges spricht dafür, dass in der Deklaration des "Guten" immer schon die Ausrottung des "Bösen" lauert.)

Fast könnte man sagen: Das Böse entsteht überhaupt erst durch die Idee, dass das Böse existiert.

Wenn Obama nun die Unausweichlichkeit von Kriegen mit der objektiven Existenz des Bösen sowie böser Individuen, Staaten und Organisationen erklärt, ist das nicht sonderlich ermutigend.
Falls er solche Sätze selber gar nicht glaubt und sie nur deswegen ausspricht, weil sie dem national-narzisstischen Bedürfnis der US-amerikanischen Mehrheitsseele entsprechen, ist das nicht viel weniger besorgniserregend.

(Die empathiegeneigte Leserin wird bemerkten, dass ich nur sehr geringe Einfühlsamkeit  für den Präsidenten und sein Volk an den Tag lege. Man möge mir das nachsehen, da ich mich gerade in Selbst-Empathie für die Grenzen meines Empathievermögens oder -willens übe.)

Ob wir zumindest in unserem eigenen Leben darauf verzichten können, andere Menschen ins grundsätzliche Unrecht zu setzen, indem wir sie damit brandmarken, die Eigenschaft "böse" an sich zu haben?
Und ob wir darauf verzichten können, uns selber dadurch aufzuwerten, dass wir "so nicht sind" wie die als Böse Bezeichneten, sondern eben – "besser"?
Das wäre immerhin im Persönlichen ein Durchbruch zu einer friedlicheren Welt.
(Dabei merke ich allerdings, wie schwer es mir fällt, mich nicht "besser" zu fühlen als die, die das Wort "böse" im Munde führen.)

Verstehen statt Urteilen. Übrigens auch und zuallererst wir gegenüber uns. Denn auch wenn es mittlerweile fast eine esoterische Binsenweisheit geworden ist: Letztlich behandeln wir andere so wie uns - und umgekehrt. Der Großinquisitor kann nur von der Hexenverfolgung geheilt werden, wenn er aufhört, sein eigener Inquisitor zu sein. Alles andere ist nur "dünne Firnis über der Barbarei". Der inneren wie auch der äußeren.

herzlichen Gruß an alle EmpathiefreundInnen und -feinde:

Marcus


P.S. Filmtipp: "Die Fürsten der Dunkelheit" von John Carpenter. Da ist das Böse eine köchelnde grüne Substanz, die der Antichrist in den Katakomben einer Kirche aufbewahrt. Sehr lustig.

P.P.S. Irgendwie nebensächlich, aber doch interessant finde ich, dass die Idee des Bösen selbst militärstrategisch ziemlich unklug ist - wie die amerikanischen Desaster in Vietnam und Afghanistan zeigen. Wer den Gegner nicht begreift, kann ihn noch nicht einmal besiegen. Geschweige denn Schöneres mit ihm anfangen.


Nr.1) 05.01.2010

Wozu das alles?

Momentaufnahme aus dem Team

 Wir haben die letzten drei Tage intensiv mit uns, Eintauchen ins Thema Empathie und vor allem der Frage verbracht, was unser Herz entflammen lässt, wenn wir an Pfingsten denken. Dabei haben wir uns erst einmal richtig schön gestritten – ganz nach dem Motto: „Konflikte bieten die Möglichkeit, sich tiefer kennenzulernen“. 

Was immer mehr zunimmt zwischen uns, ist das Vertrauen, dass jede® wirklich so sein darf wie sie nun mal ist. Und dass wir uns nicht gleichmachen wollen, sondern gerade unsere Unterschiedlichkeit einen kostbaren Schatz birgt. Für mich ist das was ganz besonderes: diese zunehmende Sicherheit dessen, dass die anderen mich verstehen – vielleicht nicht sofort, aber es zumindest ein Ringen darum gibt und nicht sofort eine Schublade geöffnet wird, in die ich hineingesteckt werde (oder auch mich selbst hineinstecke).

Unsere größte Herausforderung gerade: das, was wir an dem Festival vermitteln wollen, das Hineinlauschen und die Verlangsamung anstatt dem blinden Aktionismus und einer Getriebenheit, selbst zu leben. Die Falle, in Stress, Hektik und Aktionismus zu verfallen tut sich an allen möglichen Stellen auf. Wie können wir aus diesem Hamsterrad aussteigen und dabei dennoch effektiv sein? Oder wann geht es ganz und gar nicht um Effektivität? Was beginnt, wenn wir nicht unserem gewohnten Trott folgen, sondern wirklich auf neuen Pfaden wandeln?

Wir experimentieren mit neuen Formen. Sitzen zum Beispiel mal alle im Kreis unseres eingedunkelten Wohnzimmers rund um eine Kerze und lauschen, was uns der „Pfingstgeist“ zu sagen hat. Zuerst habe ich mich innerlich über uns selbst lustig gemacht, doch dann einfach mal in mich selbst hineingehört. Und dabei kamen erstaunliche Dinge: Es geht um VER-LANG-SA-MUNG. Und: „No Message!“ – was soll das denn – nichts aussagen? Ich bin doch die Empathieprophetin. Doch der Pfingstgeist hat das Sagen, da kann ich mich nur hingeben. das wurde mir im Übrigen auch „befohlen“. Hingabe. Und Schönheit. Und: “Was heißt es, sich selbst zu lieben?

Andreas ist diese Frage ja zu kitschig. Ich hingegen denke, dass eben das der Kernpunkt von Empathie ist. Denn wenn wir anfangen uns zu lieben, wirklich zu lieben mit allem was in uns ist, mit aller „Ekelhaftigkeit“, dann sind wir genau dort, wo wir doch hinwollen: im Mitgefühl für uns – nicht nur für die schön ausstaffierte Sonnenseite, sondern inclusive Speckfalten, Altersflecken und Aggressionsschüben. Dann muss ich nicht mehr urteilen, sondern bin einfach mit allem, was da in mir tobt und spuckt und ängstigt und trauert. Kann mich wahrnehmen und in den Arm nehmen. Und auch dafür sorgen, dass es mir selbst besser geht. Das ist es wohl, was mein Herz derzeit gehörig in Wallung bringt: die Vorstellung eines solchen Seins mit mir. Und diese Vorstellung auf dem Festival erfahrbar zu machen: sich selbst lieben. Dies mal als Beginn…

Teresa

 

Nr. 0, 20.1.2010

Artikel aus der Tageszeitung "Der Standard" zur Verrohung der Österreicher

Sorge um die österreichische Seele


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