Es sind die unerkannten und beiseite geschobenen Ängste, die unser Herz für die Liebe verschließen – der Liebe für uns und andere. Doch in unserer Erziehung und der Gesellschaft hat Angst kaum einen Platz. Wir möchten um jeden Preis ein Image der Souveränität erzeugen – und machen damit den anderen und uns selbst etwas vor.
Wenn wir uns nach wirklicher Verbindung sehnen, geht es darum, die Angst nicht länger zu verleugnen, sondern uns in ihr Herz hineinzubewegen – mit Bewusstheit, Mitgefühl und Verständnis. Das verlangt den ungeheuren Mut, der eigenen inneren Wahrheit zu folgen.
frei nach Thomas "Krishnananda" Trobe, Liebes- und Innenweltforscher


„Das eigene Leben als Experiment betrachten“
Die berüchtigte Journalistin Penelope Eisenherz konfrontierte zwei der InitiatorInnen des Festivals mit knallharten Fragen. Auszüge ihrer angstarmen Antworten dokumentieren wir im Folgenden:
Frage: Euer Motto heißt in diesem Jahr „angstfrei l(i)eben?!“ Wie seid ihr darauf gekommen? Und weshalb betont Ihr so sehr die Angst? Mir kommt das etwas überspannt vor.
Marcus v. Schmude: Wir haben es ja lange nicht wahrhaben wollen. Aber das Thema „Angst“ wurde uns sozusagen vom Leben aufgenötigt. Es stand einfach plötzlich mitten in unserem Wohnzimmer. Nach anfänglichen Protestversuchen haben wir es dann adoptiert.
Tatjana Wolf: Wir, die vier „HüterInnen“ des Festivals, leben zusammen in einer Wohngemeinschaft, die wiederum Teil einer größeren Gemeinschaft ist. Und in der Zeit um das letzte Empathie-Festival herum sind wir alle mit der in uns wohnenden Angst konfrontiert worden – teilweise recht drastisch. Zuerst haben wir uns jeder für sich mit diesen Ängsten befasst, dann immer mehr auch gemeinsam.
Marcus v. Schmude: Als uns schließlich das Ausmaß des Angst-Phänomens bewusst wurde, haben wir beschlossen, es dieses Jahr zu unserem Forschungsschwerpunkt zu erklären. Wie können wir den Mut entwickeln, alles anzuschauen und zu fühlen, was in uns ist? Und wie können wir daraus Kraft schöpfen, um Freiheit und Schönheit auf einem neuen Niveau zu verwirklichen?

Frage: Also, ich würde jetzt nicht von mir sagen, dass ich so sehr von Angst geleitet wäre! Wie kommt Ihr zu der herben These, dass Angst in unserem Leben eine solch große Rolle spielt?
Wir begegnen uns die meiste Zeit nicht als die, die wir sind. Sondern mit den sozialen Masken, die unsere Gedanken und Gefühle verbergen sollen.
Tatjana Wolf: In den Seminaren zu Gewaltfreier Kommunikation, die ich zusammen mit Teresa Heidegger anbiete, stoßen wir immer wieder auf eine tiefe Frage in den Menschen: Ob sie so richtig sind, wie sie sind. Wenn wir auf den Grund dieser Frage tauchen, entdecken wir eine immense Furcht vor den Bewertungen, den Urteilen anderer Menschen. Das schränkt uns ein in unserer Lebensqualität, in unserem Lebensfluss und unserer Liebesfähigkeit. Wir suchen nach Möglichkeiten, wie wir freier werden können, das Leben zu leben, das man leben möchte. Dabei geht es nicht so sehr um eine wiederum gewaltsame „Überwindung“ der Angst – sondern eher darum, die Angst miteinzubeziehen, oder sie zu umarmen, zu akzeptieren, tiefer zu fühlen und dem auf den Grund zu gehen, warum eigentlich Angst da ist und wie ich damit sein kann.
... und hier das vollständige Interview