Marcus: Wir haben ja das Pfingstfestival als Trilogie angelegt. Beim dritten und letzten Teil dieser Trilogie wollten wir uns und unsere Gäste noch einmal richtig herausfordern – mit einem Thema, wo auch wir erst einmal mehr Fragen als Antworten haben. Ob wir dem am Ende gerecht werden, muss das Festival zeigen.
Teresa: Für mich geht es vor allem um das verkehrt herum geschriebene Wort „love“ in dem Wort Revolution. Wie sieht denn eine Revolution aus, die wirklich aus dem Herzen kommt? Bei der es nicht darum geht, andere zu Feindbildern zu machen, irgendetwas zu zertrümmern, zu zerstören, sondern tatsächlich – auch wenn sich das ein wenig kitschig anhört – eine Revolution der Liebe zu versuchen. Wie kann das aussehen? Das ist eine spannende Frage. Und wir wollen der Frage gerecht werden. Nicht dogmatische Antworten liefern.
Marcus: Revolution mit Liebe, oder aus der Liebe ... das segelt für mich tatsächlich hart am Kitsch. Wenn wir nicht den Mut haben, es mit einer neuen Sicht des äußerst heiklen Themas Macht zu verknüpfen. Wie können wir auf eine neue und positive Art mächtig werden? Nicht Macht gegen oder Macht über, sondern Macht für und zusammenmit. Im Sinne kooperativer Wirksamkeit – persönlich, zwischenmenschlich und politisch. Wir denken, dass so eine Revolution überhaupt nur als Wandel auf allenEbenen möglich ist. Naja, und ohne Selbsterkenntnis geht sie schon mal gar nicht. Sonst kommt dabei etwas heraus wie damals damals mit dem Genossen Stalin, oder bei den autoritären Versuchen alternativen Lebens, die es ja auch gegeben hat. Und das wollen wir ja alle nicht … aber wie verbinden wir eine starke Wandlungskraft mit Gewaltfreiheit? Und wie können wir zuallererst damit aufhören, uns selbst Gewalt anzutun? Ein Vorschlag, den wir zu machen haben: indem wir aufhören, uns selbst dafür zu verurteilen, wie wir sind. Wie C. G. Jung einmal sagte: Nur was wir annehmen, können wir verändern.


